19. März 2009 | "Was aber geschieht, wenn in der Firma ein Nachfolger fehlt?"
Was ist, wenn im eigenen Unternehmen der Nachfolger fehlt? Dann ist nicht selten , guter Rat teuer. Die ICB (Innovations Center Brandenburg) GmbH & Co. KG mit Sitz in Barleben führt im Auftrag des Landes Sachsen-Anhalt das auf zwei Jahre befristete Projekt Nachfolger-Club Sachsen-Anhalt durch. Es wird aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF) und des Landes Sachsen-Anhalt finanziert.
Barleben. Der so genannte „Nachfolger-Club“ ist ein Projekt, das Unternehmensübergaben unterstützt und die jeweils „Richtigen“ zusammenbringt. Das heißt, der passende Nachfolger findet das passende Unternehmen und umgekehrt. Das geschieht nicht im Selbstlauf, sondern in Zusammenarbeit mit der Industrie- und Handelskammer sowie der Handwerksammer. Innerhalb des zweijährigen Projektzeitraumes will die ICB GmbH & Co KG mindestens 300 Erstgespräche mit potenziellen Unternehmensnachfolgern führen, dabei 180 Interessenten in den Nachfolger-Pool aufnehmen und 50 Nachfolgen verbindlich einleiten.
Das gezielte Werben ist dringend nötig, weil immer weniger Unternehmen die Nachfolge durch Familienangehörige absichern können. Rein rechnerisch werden in Sachsen-Anhalt jährlich 1400 Nachfolger für eine Betriebsübernahme gesucht. Und vom Fortbestand der Unternehmen hängen viele tausend Arbeitsplätze ab. „Nachfolge-Sicherung ist somit Arbeitsplatzsicherung“, betonte ICB-Geschäftsführer Sebastian Baum.
Das sieht das Unternehmerbüro der Gemeinde Barleben genauso und will sich einbringen. „Unsere Aufgabe muss es sein, Unternehmer am Wirtschaftsstandort Barleben für das Thema zu sensibilisieren“, so der Leiter des Unternehmerbüros, Sven Fricke. Fricke sagt auch warum: „Die Unternehmensnachfolge stellt einen wichtigen Baustein zur Sicherung der regionalen Wirtschaftsstruktur dar. Oft aber werde sie verdrängt, bis das Problem akut werde. "Dann sei aber eine geordnete Übergabe oft nur schwer möglich oder sie scheitere ganz.“ ICB-Geschäftsführer Sebastian Baum ergänzt: „Die Betriebsübergabe muss im Unternehmen eine strategische Zielstellung sein. Da sind ein großer zeitlicher Vorlauf und eine gute Vorbereitung nötig. In den nächsten Jahren stehe die Nachfolgefrage bei vielen Barleber Unternehmen auf der Agenda.“
Baum empfehlt, einen Zeitraum von mindestens drei Jahren einzuplanen. „Der oder die Neue muss im Unternehmen mitlaufen, sich integrieren, schrittweise Verantwortung übernehmen, sich mit der Firmenphilosophie vertraut machen. Doch gerade für kleine Unternehmen sei das eine neben dem Tagesgeschäft schwer zu bewältigende Aufgabe. Umso wichtiger sei die Begleitung in diesem Nachfolger-Projekt.“ Interessenten sucht die ICB auf Veranstaltungen in den Kammern oder bei Beratungen in den Kommunen.
Klare Vorstellungen hat bereits das Unternehmerbüro der Gemeinde Barleben, war von Sven Fricke zu erfahren. So ist als Einstieg ein Matchingabend geplant angedacht, bei dem Unternehmer und potenzielle Nachfolger sich kennenlernen können. „Es ist nicht nur wichtig, was die Leute können, sondern ob die Nachfolger ins Unternehmen passen und ob die Chemie stimmt“, so ICB-Geschäftsführer Baum. Auf die Frage, wer alles aufgerufen ist, meinte Sven Fricke, jene Unternehmer, die über kurz oder lang aus Altersgründen ihre Firma übergeben möchten. Interessierte Unternehmer und Nachfolger können sich im Unternehmerbüro der Gemeinde Barleben oder direkt beim Nachfolger-Club melden. Weitere Informationen gibt es unter: www.nachfolger-club.eu
Volksstimme | Lokalausgabe Wolmirstedter | von Karl-Heinz Klappoth | 19.03.2009

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| Volksstimme_19.03.2009_original.pdf | 467.31 KB |