15. April 2010 | Vorgänger sucht Nachfolger

Wie ein Club scheidende Firmeninhaber mit Selbstständigen in spe zusammenbringt
In Sachsen-Anhalt werden jedes Jahr über 1400 Nachfolger für Betriebsübernahmen gesucht. Als Vermittlungsplattform versteht sich dabei der "Nachfolger-Club Sachsen-Anhalt". Er führt Betriebsinhaber mit potenziellen Nachfolgern zusammen – jetzt erstmals auch in Magdeburg
Magdeburg. "Eine genaue Zahl kann ich nicht nennen. Aber es sind viele Unternehmen und damit verbundene Arbeitsplätze in Magdeburg, bei denen die Zukunft deshalb noch nicht abgesichert ist", vermutet Sebastian Baum, Projektleiter des "Nachfolger-Clubs Sachsen Anhalt."
Der Club ist eigentlich ein Projekt des Landes Sachsen-Anhalt und arbeitet eng mit Industrie und Handel sowie der Handwerkskammer zusammen.
Zehn Nachfolger konnte Baum seit dem Start des Projekts Ende 2008 vermitteln. Und jetzt ist ihm das auch zum ersten Mal in der Landeshauptstadt gelungen.
Mit Frank Uwe Jahn übernimmt ein gebürtiger Magdeburger einen Raumausstatter mit Ladengeschäft, der hier bereits seit knapp 40 Jahren angesiedelt ist.
"Ein Traum geht für mich in Erfüllung", sagt Jahn und fügt hinzu : "Ich bin gelernter Tischler, habe dann Betriebswirtschaft studiert. Mit der Übernahme dieses Unternehmens schließt sich der Kreis für mich." Den Namen des Unternehmens möchte Jahn noch nicht verraten. Aber so viel sei gesagt. Er wird alle drei Mitarbeiter des Raumaustatter-Geschäfts weiter beschäftigen. Für Projektleiter Sebastian Baum kein Wunder : "Nachfolge-Sicherung ist Arbeitsplatzsicherung."
In drei Jahren möchte Baum so weit sein, dass er das Projekt guten Gewissens in die Hände der Kammern geben kann. "Dann könnte ein ausreichender Bestand von Nachfolgern und Unternehmen gewonnen sein, um schnellere Betriebsübernahmen zu ermöglichen. Viele Unternehmer wollen zum Beispiel am liebsten Menschen aus ihrer Region. Eines von vielen Kriterien, die berücksichtigt werden müssen."
Ob das Projekt aber überhaupt noch so lange existiert ist ungewiss, da es bislang auf zwei Jahre begrenzt ist und von Sachsen-Anhalt und der EU mit insgesamt 200 000 Euro unterstützt wird. Aber Baum ist zuversichtlich : "Es ist ein Experiment, mit dem ich bislang sehr zufrieden bin. Ich würde gerne weitermachen."
Und auch Frank Uwe Jahn würde es sehr schade finden, wenn das Projekt nicht in die Verlängerung gehen könnte : "Eine Idee haben, das ist ja schön und gut. Aber die Umsetzung ist etwas ganz anderes. Es gibt einem einfach ein gutes und vor allem beruhigendes Gefühl, wenn einem jemand mit Rat und Tat zur Seite steht. Ich habe mich hier sehr gut beraten gefühlt."
Volksstimme | Lokalausgabe Magdeburg | von Lennard Jähne | 15.04.2010